Deutsch English

Riedl baut seine zehntausendste Aufzuganlage

Ein 100-jähriges Jugendstil-Herrenhaus im Münchner Lehel bekommt  einen modernen Personenaufzug. Die Aufzugmanufaktur Riedl kann das denkmalgeschützte Schachtgerüst erhalten und elegant in die neue Anlage integrieren.

Im gutbürgerlichen Münchner Lehel liegt die Widenmayerstraße. Auf Nummer 47 steht ein stattliches Jugendstil-Gebäude, das 1912 erbaut wurde. Den gehobenen Anspruch von Mieter und Besuchern spiegelt die Einrichtung wider: Rundbögen, stuckverzierte Wände und Decken und gepflegte Holzdielen bilden die wesentliche Ausstattung des eleganten Treppenaufgangs. Der war seinerzeit den vornehmen Leuten vorbehalten, die Bediensteten nahmen den Hinteraufgang. Die Treppen umschließen einen gut 20 Meter hohen Aufzugschacht, der in den Raum aufragt. Vor gut 100 Jahren war das etwas Außergewöhnliches, erklärt Hausverwalter und Miteigentümer Michael Schmid: "Das Treppenhaus wurde quasi um den Schacht gebaut."

"Man hat gleich gemerkt, dass sie damit schon eine Menge Erfahrung haben”

Der Fahrstuhl wurde erstmals im Jahr 1962 saniert. Etwa fünf Jahrzehnte später nahm der Wartungsbedarf der Anlage stetig zu. "Immer öfter und kostenintensiver", erinnert sich Schmid, seien Instandhaltungsmaßnahmen nötig gewesen. So wurde von der Eigentümergemeinschaft beschlossen, die Anlage auf den neuesten technischen Stand bringen zu lassen. Und um dem Stil des Hauses wieder gerecht zu werden, sollte ein modernes, ansprechendes Design der Fahrgastkabine sowie der ganzen Anlage die Neugestaltung abrunden. Mit der Durchführung beauftragte man die Firma Riedl Aufzüge aus Feldkirchen bei München. Für diese war der Auftrag gleich in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich wie besonders: Es sollte nämlich die exakt zehntausendste Anlage werden, die Riedl baut.

Aufgrund von Denkmalschutz-Auflagen konnten nicht alle Teile des Original-Fahrstuhls einfach ersetzt werden. Das Schachtgerüst, Eisenstreben und Winkelmetalle mit handgeschlagenen Nieten mussten erhalten bleiben. Somit waren die Außenmaße der Aufzuganlage unveränderlich. Für die erfahrenen Planer gab es also enge Vorgaben. "So ein altes Schachtgerüst zu erhalten, das ist schon einmalig", weiß Franz Cischek, Vertriebs- und Montageleiter bei Riedl. Um eine ausreichende Stabilität des Gerüsts sicherzustellen, wurden lasergestanzte Teile daran angebracht, die vom Aufzugbauer Riedl maßgefertigt wurden. "Das Gerüst musste durch Querstreben verstärkt werden. Denn die geben der Konstruktion mehr Stabilität", erklärt Cischek weiter. Zusätzlich wurden noch Streckmetalle eingezogen, um die Festigkeit des Gerüsts zu erhöhen. Der Aufzugschacht war von Maschendraht ummantelt, der ebenso zu erhalten war. Der so entstandene Korpus um den Schacht ist in edlem Mattgold lackiert worden. “Ein Aufzug von der Stange wäre schon alleine wegen der Denkmalschutz-Auflagen gar nicht möglich gewesen. Die Firma Riedl hat die Modernisierung in enger Absprache mit dem Amt durchgeführt und konnte auf deren Vorgaben flexibel und schnell reagieren. Man hat gleich gemerkt, dass sie damit schon eine Menge Erfahrung haben”, so Michael Schmid.

"Ein Projekt ohne Architekt abzuwickeln trauen sich viele Aufzugbauer nicht."

Ansonsten wurde ersetzt, was am Fahrstuhl beweglich ist - also Stahlseile, Motor, Elektronik, Kabine und Tür. Bei Steuerung und Antriebstechnik verbaute man modernste Komponenten, die Seilanlage wird frequenzgeregelt angetrieben. Der Prozessor, das Herz der Anlage, basiert auf neuester Technologie. Für die Sicherheit der Fahrgäste sorgt ein modernes Alarmsystem. Die Kabine hat eine Tragkraft von 320 Kilogramm und eine Grundfläche von einem guten Quadratmeter. Ihre Innenausstattung wird auch Fahrgästen mit gehobenem Anspruch gerecht: Die Seitenwände in noblem Marmordesign wurden aus bedrucktem Glas gefertigt, die Rückwand mit einem deckenhohen Spiegel und elegantem Handlauf verkleidet; vordere Ecken, Wände und die Tür sind mit titanisiertem Edelstahl überzogen.

Die Zusammenarbeit mit von der Eigentümergemeinschaft bevorzugten Gewerken, die etwa die Malerarbeiten bei dem Umbau übernahmen, koordinierte ebenfalls Riedl. "Ein unschlagbarer Vorteil. Das komplette Projekt ohne Architekt und Fachplaner abzuwickeln, das trauen sich viele andere Aufzugbauer gar nicht", findet Hausverwalter Schmid. Binnen rund sechs Wochen wurde die neue Anlage eingebaut. Mit der TÜV-Abnahme im März 2013 ist der Umbau erfolgreich abgeschlossen worden.

Der neue Aufzug befördert die Fahrgäste jetzt sicher und zügig durch das Haus. Etwa doppelt so schnell wie sein Vorgänger gleitet er fast geräuschlos durch den offenen Schacht. Das Knarzen der Holzstufen im Treppenhaus ist da deutlich lauter. Der goldene Korpus im Treppenauge bildet einen gelungenen Kontrast zu den dunklen Holztreppen, die sich darum winden. Somit ergänzt der Riedl-Aufzug mit der Nummer 10.000 das altehrwürdige Jugendstil-Gebäude in der Münchner Widenmayerstraße 47 rundum gelungen. Ein besonderes Projekt zu einem besonderen Anlass.

 

Jetzt Kontakt mit uns aufnehmen